Erstes Reisetagebuch

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DKA_NLPosseHans_IB2-0043.tif

Polen1

Krakau,Hotel Polski2

24. Nov. 39 1229vonDresden

nachBreslau.

Abend mitDr. Corn. Mülleru Frau3

MühlmannPalais

Potoski (Ring)4

(Barthel)5

25. Nov. Früh 60nachKrakau

Wawel6Burghptmann7 Bühler8

Restaurant Hawelka9

Grand Hotel10

Hotel Pollera, Spitalgasse

Zimmer 3711

Swantewitt-Stele 12 in der

Akademie der Wissenschaften13

Sakobskagasseggüber14

Martinskirche

AnkunftKrakau1320

BeiOberbürgermeister Zörner,15

Museum Narodowe

Nachm.16 National Museum

(nationalpolnische Kunst

bes.1719. Jhdt; sonst nichts

Bedeutendes). Abend im

Städt.18Casino.19

  • 1.HitlersandtePosseauf Inspektionsreise nach Polen (s.Schwarz (2014), S. 114-120). Wie zuvor im 'angeschlossenen' Österreich sollte er beschlagnahmte Kunstwerke inspizieren und einen Vorschlag über ihre Verwendung ausarbeiten.
  • 2.Vermutlich hattePosseim Hotel Polski, Basteigasse 17, kein Zimmer mehr bekommen, weshalb er den Namen strich. Noch das Reisehandbuch vonKarl Baedeker, das 1943 auf Wunsch des Generalgouverneurs des besetzten Polens,Hans Frank, verlegt wurde, weist ausdrücklich darauf hin, dass die Hotels meist besetzt seien und eine Voranmeldung bzw. eine Zimmervermittlung durch das Quartieramt erforderlich sei (s.Baedeker/Steinheil (1943), S. 33).Posseübernachtete stattdessen im Hotel Poller/Pollera.
  • 3.Posseverbrachte nicht nur den Abend beiCornelius Müller-Hofstede, dem Direktor desSchlesischen Museums der Bildenden KünsteinBreslau, und dessen Frau, er übernachtete auch dort (s.DKA, NL Posse, Hans, I,B-1: Hans Posse, Diensttagebuch, Eintrag vom 24.11.1939).
  • 4.Vermutlich ist das Palais Potocki, auch Pałac pod Baranami, 27 Rynek Główny (auch Ring genannt), inKrakaugemeint. Dort befand sich während der deutschen Besatzung das militärische Hauptquartier der Kommandantur des Distrikts Krakau.
  • 5.Possenotierte sich den Namen vonGustav Barthel, Direktor der Städtischen Kunstsammlungen inBreslau, der als MitarbeiterKaj Mühlmannsstellvertretender Leiter der Gruppe Süd des Sonderbeauftragten für die Sicherung der Kunst- und Kulturschätze war (s.BArch, R 43II/1341a, Bericht über die Überprüfung der Gesamttätigkeit für die Erfassung der Kunst- und Kulturschätze im Generalgouvernement).
  • 6.Wawel bezeichnet eine Burganlage auf dem gleichnamigen Hügel inKrakau. Ab dem 11. Jahrhundert war der Wawel Residenz der polnischen Könige inKrakau. Von 1939 bis 1945 war das Wawelschloss Regierungssitz des Generalgouvernements der deutschen Besatzungsmacht. Auf dem Wawel befinden sich auch dieStaatlichen Kunstsammlungen.
  • 7.Burghauptmann
  • 8.Possehatte vonHitlerden Auftrag erhalten, sich inKrakau mit Hans Frankzu treffen, der am 26. Oktober 1939 sein Amt als Generalgouverneur angetreten und mit der ersten "Verordnung über den Aufbau der Verwaltung der besetzten polnischen Gebiete“Krakauzu seinem Dienstsitz bestimmt hatte. Seine Residenz richtete er auf dem Wawel ein. Da FrankbeiPossesEintreffen auf Rundreise im Gouvernement war, trafPosse dessen Stellvertreter, Staatssekretär Josef Bühler. Es wurde wohl verabredet, dassPosseerst einmal nachWarschaufahren solle, umFrankdann nach dessen Rückkehr inKrakauzu treffen. Aber auch dieses Treffen kam nicht zustande, wiePosseam 14. Dezember 1939 anBormannberichtete: „Leider war es mir nicht möglich, mich beiHerrn Generalgouverneur Reichsminister Dr. Frankpersönlich zu melden, da er von seiner Rundreise im Gouvernement nachKrakauzurückgekehrt unvorhergesehen bereits wieder verreist war, als ich vonWarschauzurückkam.“ (s.BArch, B 323/103, Nr. 248).
  • 9.Possenotierte sich offenbar Restaurantempfehlungen fürKrakau. Das Restaurant Hawelka befand sich am Hauptplatz, dem Alten Markt/Rynek (ab 1941 Adolf-Hitler-Platz) 34, Ecke Stephansgasse 3 (s. Baedeker/Steinheil (1943), S. 34).
  • 10.Das Restaurant im Grand Hotel befand sich in der Hauptstraße 5.
  • 11.Possehatte im Hotel Poller/Pollera in der Spitalgasse (ul. Szpitalna) 30 im Zentrum vonKrakaudas Zimmer Nr. 37 reserviert.Possebenutzte die polnische Namensform Pollera.
  • 12.Eventuell ist das sogenannteIdol von Sbrutsch(polnisch: Światowid ze Zbrucza) gemeint.
  • 13.Eventuell ist die Polska Akademia Umiejętności(deutsch: Krakauer Wissenschaftliche Gesellschaft; Polnische Akademie der Gelehrsamkeit) gemeint, die sich in der Straße Sławkowska gegenüber der Kirche Św. Marka befindet.
  • 14.Bei dem unleserlichen Wort könnte es sich um eine phonetische Schreibweise von Sławkowska handeln, sodass die Notiz folgendermaßen aufzulösen wäre: "Sławkowska gegenüber".
  • 15.Possekannte Ernst Zörner, den Bürgermeister vonKrakau, sehr gut aus dessen Dienstzeit als Oberbürgermeister vonDresden.
  • 16.Nachmittags
  • 17.besonders
  • 18.Städtischen
  • 19.DasPolnische Nationalmuseumwar zum Staatskasino umfunktioniert worden, das nur für Angehörige und Gäste der Regierungsbehörden zugänglich war (s.Baedeker/Steinheil (1943), S. 34 und S. 49).
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Krakau

St. Floriankirche1 (3 (4) Tafeln

vonH. v. Kulmbachvon

ehemaligemJohannisaltar

(eine Tafel seit 1925 (?) beim

Restaurator)2

 

Städt.3Sammlung:Museum Naro- / dowe/ (Abteilg4/ in Villa)

Huttencz apski 

Huttenczapski

Private Stiftung an die

Stadt. Nichts Gutes.

hübscheskleines Damen-

porträtvonN. Maes.5

28. Nov. 39.

Czartoriski-Sammlung

Ausser kunstgewerbl.6 Sachen

unter den Bildern nichts

Bedeutendes.Raffael,Leonardo

u.Rembrandtsind inB.7

DKA_NLPosseHans_IB2-0052.tif

Bergung seitEnde Oktober

6. OktoberNovemberunter Leitg1

von StandartenführerDr.

Kaj Mühlmannals Sonder-

beauftragter vonGöring, unter

u. zugl.2als Leiter der Abtlg3 Wissenschaft u. Erziehg4 

Bestellg5 geeigneter Fachleute

Wien,Breslau,Berlin eingekreist und mit einem Pfeil vor Wien platziert,6

Arbeiten im vollen Gang u.

haben sich in 1. Linie damit

befasst, Kunst- u. Kultur-

werteWarschauszu bergen

u. sicherzustellen. Sicher-

stellung inKrakauin

NeubauJagell. Universität7,

die besonders dafür geeignet.

Dorthin auch die den Polen ab-

genommenen geflüchteten

Objekte sowie Privat u. Kirche

Da diese Ggstände8zum Teil

noch im Anrollen sind u. ihre

Aufstellg9 vorbereitet wird, ist

zurzeit eine vollkommene Über-

sicht noch unmöglich. - Dies

erst im Februar 1940101 Wort (durchgestrichen)

  • 1.Leitung
  • 2.zugleich
  • 3.Abteilung
  • 4.Erziehung
  • 5.Bestellung
  • 6.Die Notizen dientenPosseals Vorbereitung des Reiseberichts anHitler, in dem er schrieb: „Seit dem 6. Oktober ist unter Leitung desUnterstaatssekretärs Dr. Mühlmannals Sonderbeauftragter desGeneralfeldmarschalls Göringund als des Leiters der Abteilung Wissenschaft und Erziehung unter Bestellung geeigneter Fachleute ausBerlin,WienundBreslaudie Bergung alles wertvolleren Kunstbesitzes in vollem Gang und, soweit ich feststellen konnte, bereits ziemlich restlos erfolgt. Die Arbeiten haben sich in erster Linie damit befaßt, die Kunst- und KulturwerteWarschauszu bergen und sicherzustellen, vor allem aus dem schwerbeschädigten Königsschloß, dessen Mobiliar und Innenausstattung zu einem großen Teil gerettet werden konnte.“ (s. BArch, B 323/163, Nr. 211-214, Hans Posse, Bericht über die auftragsweise übernommene Reise nach Krakau und Warschau zur Unterrichtung über die Art und den Umfang der beschlagnahmten Kunstwerte).
  • 7.Der noch nicht bezogene Neubau derJagiellonischen Bibliothekdiente 1939 "als zentrales Sammellager für die Kunstbeute, die hier zusammengeführt, fotographiert und inventarisiert wurde" (s. Schwarz (2014), S. 116).
  • 8.Gegenstände
  • 9.Aufstellung
  • 10.Im Februar 1940 sollte die Aufstellung der sichergestellten Kunstwerke in derJagiellonischen Bibliothekabgeschlossen sein.Posseplante, dann ein zweites Mal nachKrakauzu reisen und die Auswahl für dasFührermuseumvorzunehmen. Zu dieser Reise kam es nicht. Stattdessen überreichte GeneralgouverneurHans Frank Hitlerzusammen mit den entsprechenden Bildvorlagen den gedruckten Katalog "Sichergestellte Kunstwerke im Generalgouvernement" (s.Digitalisat im Onlinekatalog der Jagiellonischen Bibliothek), der die polnischen Kunstwerke der ersten Wahl präsentierte (s.Schwarz (2014), S. 125-126).
DKA_NLPosseHans_IB2-0053.tif

Krakau

1 Buchstabe (durchgestrichen)Jedenfalls wird alles für

Deutschland Bedeutsame dann

erfasst sein. und erst wenn

eine Entscheidung über das

Schicksal bedeutenderer

Werke aus Kirchl. u. Privat.1

getroffen sein wird, wird

man auf Grund dieser Er-

fassung auch diese greifen

können.Staatl. Lichtbildstelle

Berlin. Photoalbum

Generalgouv.2demFührervorlegen3

Charakteristik des polnischen

Kunstbesitzes.

Silber, Kirchenschätze (Marienkirche4

u. Wawel5) Cloisonné-Arbeiten

1 Wort Pergamentschriften

derJagell. Bibliothek.

GraphikDürerinWarschau6 u.

Lemberg(Düreru.Rbdt7)

Die Durchführung meines

Auftrages war mir z. Zt. noch

nicht möglich, da infolge der

nicht voraus zu sehenden Ver-

hältnisse Im Augenblick seine

Durchführung unmöglich war.

Gründe!  - - - - -8