Reisetagebuch: München - Linz - Wien, Graz - Klagenfurt - Venedig, Innsbruck - Salzburg, Breslau - Krakau - Warschau

Reisetagebuch: München - Linz - Wien, Graz - Klagenfurt - Venedig, Innsbruck - Salzburg, Breslau - Krakau - Warschau

Das erste Reisetagebuch, das die zweite Jahreshälfte 1939 umfasst, zeigt Hans Posse nicht als Ankäufer für das von Hitler geplante 'Führermuseum' in Linz an der Donau, auf den seine Rolle oft reduziert wird. Es dokumentiert vielmehr Posses Beraterfunktion in einem großen kulturpolitischen Programm: Hitler will nicht nur ein neues Museum gründen, sondern beschlagnahmte Kunstwerke auf deutsche Museen verteilen und bedient sich dazu der Expertise des, wie er glaubt, besten Museumsdirektors des Deutschen Reiches.

Seine erste Dienstreise führt Posse Anfang Juli 1939 nach München, wo er im Führerbau Objekte für das Linzer Museum aus einem von Hitler zusammengetragenen Fundus aussucht. Von dort fährt er nach Linz, um das Oberösterreichische Landesmuseum zu inspizieren und aus dessen Kunstbestand die besten Werke für das 'Führermuseum' auszusuchen. Die Reise geht weiter nach Wien, um die dort beschlagnahmten und in einem Zentraldepot gesammelten jüdischen Kunstsammlungen zu begutachten. Am 23. Juli 1939 präsentierte Posse die Ergebnisse seinem Auftraggeber und wird mit der Durchführung der Verteilung der Raubkunst auf die österreichischen Museen beauftragt.

In Vorbereitung dazu unternimmt er zwei Inspektionsreisen: Im August besichtigt er die Museen in Graz und Klagenfurt und im Oktober die Museen in Innsbruck und Graz. Im November sendet Hitler ihn ins okkupierte Polen mit dem schon bekannten Auftrag, die dort ebenfalls in einem Zentraldepot gesammelte Kunstbeute auf die deutschen Museen zu verteilen. Posse nutzt die Reise, um in Museen, Privatsammlungen und Kirchen ebenfalls nach Kunstwerken Ausschau zu halten, die ihm für Hitlers Museumsprogramm brauchbar erscheinen.

 

Zur Edition

 

Laufzeit
07.1939-12.1939
Signatur
DKA, NL Posse, Hans, I,B-2