01.12.1939 - 02.12.1939: Warschau (0050) (DKA, NL Posse, Hans, I,B-2)

01.12.1939 - 02.12.1939: Warschau (0050) (DKA, NL Posse, Hans, I,B-2)
DKA_NLPosseHans_IB2-0050.tif

Brühlsches Palais1: ausser

Fassade nicht Originales.

Völlige Modernisierung vor

ca 6 Jahren.2

 

Bilder von Maulbertsch

im Musseum Ossolineum Oskolineum

zu Lemberg, ebenda

Krodel (W. K.)3

 

2. Dez. 39

Privatsammlungen

Krasinski4 zur Hälfte, Zamoijski5

ein knappes Fünftel, Przezdizienski6

ein Zehntel der Sammlung er-

halten, das übrige verbrannt.

 

Oberstabsarzt Prof Richter

Kommandatur IV c

Warschau

Universität Greifswald

  • 1. Das Brühlsche Palais war ein Barockschloss in Warschau. 1944 wurde es von der Wehrmacht gesprengt.
  • 2. Das Gebäude diente vor dem Ersten Weltkrieg als Telegraphenamt, danach wurde es vom polnischen Außenministerium genutzt und fungierte unter deutscher Besatzung als Distriktsamt (Dienstsitz des Gouverneurs) (s. Baedeker/Steinheil (1943), S. 90).
  • 3. Mit "W. K." dürfte Wolfgang Krodel der Ältere gemeint sein, der aus kunsthistorischer Sicht zur Schule Lucas Cranachs gehört. Die Information könnte für Posse als Cranachforscher interessant gewesen sein. Möglicherweise war er aber auch wegen des Sammlungsaufbaus für das Führermuseum an Wolfgang Krodel interessiert, in dem er eine Abteilung für Künstler der Donauschule einrichten wollte. In Warschau traf Posse mit Leopold Ruprecht und Eduard Holzmair zusammen (s. DKA, NL Posse Hans, I,B-1: Hans Posse, Diensttagebuch, Eintrag vom 01.12.1939), welche im Stab des 'Beauftragten für die Sicherstellung des polnischen Kunstbesitzes' Kaj Mühlmann tätig waren. Von ihnen könnte er diese Informationen erhalten haben.

    Das Museum Ossolineum interessierte Posse vor allem wegen seiner hochrangigen Dürer-Sammlung (s. auch Eintrag vom Dezember 1939). Zudem war Lemberg zu diesem Zeitpunkt sowjetisch besetzt, die Dürer-Sammlung also außerhalb seines Verfügungsbereichs und daher auch nicht Teil seines aktuellen Auftrags. Gleichwohl erwähnte Posse die Sammlung in seinem Polen-Bericht: "Vielleicht wird es später möglich sein, die siebenundzwanzig Blätter von Dürer für Deutschland zu retten." (s. BArch, B 323/163, Nr. 211-214, Hans Posse, Bericht über die auftragsweise übernommene Reise nach Krakau und Warschau zur Unterrichtung über die Art und den Umfang der beschlagnahmten Kunstwerte). Tatsächlich wurden die Dürer-Zeichnungen im Juli 1941, nach dem Überfall auf die Sowjetunion, von Kaj Mühlmann 'sichergestellt'. Posse hatte sie für die Graphische Sammlung des Führermuseums vorgesehen (s. Schwarz (2014), S. 127-128; Juzwenko/Mirecki (2004)).

  • 4. Der Krasiński-Palast, ein Barockschloss in Warschau, wurde für die Magnatenfamilie Krasiński erbaut. Im Schloss befand sich die Kunstsammlung der Familie, u. a. mit Werken von Albrecht Dürer, Rembrandt und Peter Paul Rubens. 1927 wurden die Bibliothek und die Kunstsammlung der Familie in ein eigens errichtetes Museumsgebäude transferiert. Teile der Bestände wurden bei Bombenangriffen durch deutsche Truppen im September 1939 zerstört (s. Ajewski (2004), Englische Zusammenfassung).
  • 5. Gemeint ist die Sammlung der Magnatenfamilie Zamoyski, die sich im Blauen Palast in Warschau befand. Sie umfasste neben einer umfangreichen Bibliothek des Majorats der Zamoyskis auch eine Kunstsammlung. Während der deutschen Luftangriffe im September 1939 wurden große Teile der Sammlung zerstört (s. Makowski (2013)).
  • 6. Gemeint ist die Sammlung der Familie Przeździecki, die eine umfangreiche Bibliothek sowie eine Kunstsammlung umfasste. Während der deutschen Luftangriffe wurde der Palast der Familie von einer Bombe getroffen. Infolgedessen brannte der Palast aus und ein Großteil der Sammlung wurde zerstört (s. Ajewski (2004), Englische Zusammenfassung).