11.10.1939: Innsbruck (0038) (DKA, NL Posse, Hans, I,B-2)

11.10.1939: Innsbruck (0038) (DKA, NL Posse, Hans, I,B-2)
DKA_NLPosseHans_IB2-0038.tif

Innsbruck

Neben Graz die Gemälde

sammlung des Ferdinandeums

die bedeutendste u. auf ihren Gebieten ausbau

fähigste

Die moderne beschränkt sich haupt-

sächlich auf Tiroler Meister

vor allem Defregger1 (aber

fast alles Kopien, nur 2 Ori-

ginale; ihm der schönste Saal

gewidmet.2 Daneben Egger-

Lienz. Egger-Lienz = Bilder

aus Wiener Judenbesitz.3

3 Säle moderner Tiroler Kunst

vorhanden, aber aus Raum-

mangel deponiert.

 

Salzburg. Österr. Hof.4

Bei Regierungspräsident Dr Koch

(mit Graf Trapp), da Gau-

leiter nicht anwesend. -

In der Pfarrkirche (Asam).5

Mit Graf Trapp im Hotel.

Abends mit Prof. Steinacker6

  • 1.Franz von Defregger war ein Genre- und Historienmaler der Münchner Schule. Hitler besaß einige Werke Defreggers in seiner Sammlung (s. Schwarz (2011), S. 105, 173-175, 186-189, 259-260).
  • 2. In seinem Bericht an Hitler schrieb Posse: "Auch die zurzeit wegen Raummangels zum größten Teil deponierte Abteilung neuerer, besonders Tiroler Malerwerke müßte in Zukunft ausgebaut werden, da ein Tiroler Hauptmeister wie Defregger außer durch 2 Originale nur durch eine Reihe von Kopien vertreten ist" (s. BArch, B 323/229, Hans Posse, Bericht über die Landesmuseen der Ostmark, II. Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck, abgedruckt in: Schwarz (2018), S. 204-210, hier S. 208).
  • 3. Unter dem beschlagnahmten und sichergestellten jüdischen Kunstbesitz befanden sich einige Werke des Tiroler Malers Albin Egger-Lienz, die Posse dem Ferdinandeum in Innsbruck zuteilen wollte (s. BArch, B 323/229, Hans Posse: Bericht über die Landesmuseen der Ostmark, II. Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck, abgedruckt in: Schwarz (2018), S. 204-210, hier S. 208). Allerdings wurde das Vorhaben nicht realisiert, da Osttirol an das Reichsgau Kärnten angegliedert wurde und in der Folge der Großteil der Werke von Egger-Lienz dem Heimatmuseum in Lienz, der Geburtsstadt des Malers, überwiesen wurde (s. Schwarz (2018), S. 114).
  • 4. Dieser Eintrag bezieht sich auf die Reise nach Salzburg, die Posse einen Tag später, am 12. Oktober 1939, antrat. Das Hotel Österreichischer Hof ist heute das Hotel Sacher in der Schwarzstraße 5-7.
  • 5. Vermutlich ist der Innsbrucker Dom zu St. Jakob gemeint, der mit Deckenfresken von Cosmas Damian Asam und Stuckarbeiten von dessen Bruder Egid Quirin Asam ausgestaltet wurde.
  • 6. Vermutlich ist Harold Steinacker gemeint, Historiker und Professor an der Universität InnsbruckSteinacker hatte in Wien Geschichte und Historische Hilfswissenschaft studiert, sich 1905 dort habilitiert und war einer der führenden Vertreter einer 'volksdeutschen' Geschichtsauffassung.