28.03.1940 - 29.03.1940: Innsbruck (0072) (DKA, NL Posse, Hans, I,B-3)

28.03.1940 - 29.03.1940: Innsbruck (0072) (DKA, NL Posse, Hans, I,B-3)
DKA_NLPosseHans_IB3-0072.tif

Innsbruck

/ Kloster Wilten für Unterbringg1

nat.2 Kunstgutes, namentlich

der sequestrierten Klöster für

Denkmalspflege / Wertl.3 Arbeits-

dienst hinaus; SA-Kaserne.4

 

Kloster Wilten.

Abend mit Trapp

 

29. III.5

Anordnungen über Umsied-

lung von ganz oben her.

Anweisung an die Hauptkom-

missionen in Botzen u.

Innsbruck dafür Sorge zu

tragen, daß keine Sonder-

aktionen (illegal) durchge /

führt werden (wie geschehen)

sondern alles im Detail

mit ital.6 Behörden zu

regelen, da die Gefahr besteht

 

70

  • 1. Unterbringung
  • 2. nationalen
  • 3. Wertloser
  • 4. Am 8. Januar 1940 hatte Friedrich Plattner vom Ministerium für Innere und Kulturelle Angelegenheiten in Wien die Einrichtung eines Zentraldepots der beschlagnahmten und denkmalbehördlich sichergestellten Kunstwerke in Tirol angeordnet. Dort sollten vor allem die aus ehemaligem Klosterbesitz stammenden Kunstwerke zentral untergebracht, inventarmäßig verzeichnet, durch eine Kartei erfasst und so aufgestellt werden, dass Besichtigungen und fotografische Aufnahmen möglich waren. "Da für die Unterbringung derartiger Objekte von Ihnen bereits das Gebäude des Stifts Wilten in Innsbruck herangezogen worden ist, richte ich an Sie das Ersuchen, in erster Linie das genannte Gebäude, im Bedarfsfalle jedoch auch noch weitere geeignete Räumlichkeiten der Zst. f. Dsch. für die zentrale Unterbringung der erfassten Kunstwerte zur Verfügung zu stellen bzw. erforderlichenfalls freizumachen" (s. BDA-Archiv, RestMat., K. 53/1, M. 3, fol. 5, Plattner an den Landeshauptmann von Tirol, 08.01.1940). Nun besichtigte Posse gemeinsam mit Oswald Trapp das Prämonstratenser-Stift Wilten in Hinblick auf dessen Verwendungszweck als Depot. Man fand es geeignet unter der Voraussetzung, dass die Nutzung durch den "wertlosen" Reichsarbeitsdienst und als SA-Kaserne beendet werden würde.
  • 5. Nach der deutschen Garantie von Aufrechterhaltung und Ausbau der Brenner-Grenze im März 1938 wurden in den darauffolgenden Jahren Teile der deutsch- und ladinischsprachigen Bevölkerung in das Gebiet des Deutschen Reichs umgesiedelt. Kurz vor seiner Innsbruck-Reise hatte Posse an Martin Bormann gemeldet, dass er "auf dringende Aufforderung des Herrn Gauleiters Franz Hofer in der Angelegenheit des Südtiroler Kunstbesitzes und anderer mir noch nicht näher bekannter Kunstfragen, die den Gau Tirol besonders interessieren [...] nach Innsbruck reisen werde" (s. BArch, B 323/163, Posse an Bormann, 21.03.1940). Zuvor hatte sich Posse auf Anregung von Gaukonservator Oswald Trapp und unter Ausnutzung des 'Führervorbehalts' als Sachverständiger in die Kulturkommission der Amtlichen Deutschen Ein- und Rückwandererstelle des Ahnenerbes unter der Leitung von Wolfram Sievers gedrängt, die sich zu diesem Zeitpunkt etablierte. "Im Zuge der Umsiedlungsaktion von Südtirol gelangen viele wertvolle Werke deutscher Kunst aus Privatbesitz zum Verkauf", welcher "von einem erfahrenen Fachmann" überwacht werden müsse, damit die Kunstwerke für deutsche Museen "gerettet" werden könnten, weshalb Posse empfahl, "wie im Falle der Ostmark, dem Führer ein Vorverkaufsrecht vorzubehalten" (s. BArch, B 323/103, Nr. 237, Posse an Bormann, 10. 02.1940; BArch, B 323/163, Nr. 173). Bormann gab diesen Vorschlag zwei Tage später als Wunsch Adolf Hitlers an Heinrich Himmler weiter und schlug als erfahrenen Fachmann Posse vor. "Das Vorkaufsrecht für die zum Verkauf nach Deutschland gelangenden Bilder soll dem Führer vorbehalten bleiben" (s. BArch, B 323/163, Nr. 172, Bormann an Himmler, 12.02.1940). Am 28. Februar 1940 teilte Himmler Bormann mit, dass er Posse als Sachverständigen heranziehen werde (s. BArch, B 323/163, Nr. 132-133, Himmler an Bormann, 28.02.1940). Posse wurde in die Kulturkommission der Amtlichen Deutschen Ein- und Rückwandererstelle aufgenommen (s. Schwarz (2018), S. 96; Petropoulos (1999), S. 150-152). Damit war er zur Schlüsselfigur für die Nordtiroler Denkmalpflege geworden. Am 29. März 1940 besprach Posse nun vermutlich mit Gaukonservator Oswald Trapp Problempunkte in Bezug auf den bisher unregulierten Transfer von Südtiroler Kunstbesitz ins Deutsche Reich für noch anstehenden deutsch-italienischen Verhandlungen, bei denen er Schwierigkeiten befürchtete.
  • 6. italienischen