23.07.1939: München (0016) (DKA, NL Posse, Hans, I,B-2)

23.07.1939: München (0016) (DKA, NL Posse, Hans, I,B-2)
DKA_NLPosseHans_IB2-0016.tif

München

von irgend welchen Stellen

Kunstwerke aus den öffent-

lichen Sammlungen ent-

nommen u. als Geschenke

verwendet würden.1 Für sich

selbst habe er das von jeher

abgelehnt!

Ich soll mir nach u. nach

sämtl.2 österr.3 Provinzgalerien

ansehen:4 Graz5, Klagenfurt.6

Nochmals u. immer wieder

sein großes Interesse an

Linz7 betont, für das er

nicht nur sämtliche von mir

ausgesuchte Bilder bestimmt,8

sondern auch noch andere

in seinen eigenen Räumen

befindliche Stücke in Aussicht

stellt.

Reihenfolge in der Behdlg9

des beschlagnahmten Wiener

Besitzes: Erst Bilder erledigen,

dann Möbel, Kunstgewerbe usw.10

Über alles behält sich der Führer

auf meinen Vorschlag hin

letzte Entscheidung vor. Ebenso

 

2

  • 1. Das Verbot einer "Herausnahme von Gegenständen aus Sammlungen, Museen und ähnlichen Einrichtungen zu Geschenkzwecken" erging erst am 10. August 1939 (s. BArch, R 43 II/1236a, fol. 42, Lammers an die Herren Reichsminister, die Herren Reichsstatthalter, die Landesregierungen, 10.08.1939).
  • 2. sämtliche
  • 3. österreichische
  • 4.Posse wurde von Hitler beauftragt, alle österreichischen Landesmuseen zu inspizieren und anschließend darüber Bericht zu erstatten (s. BArch, B 323/229, Hans Posse, Bericht über die Landesmuseen der Ostmark, Oktober 1939).
  • 5. Gemeint ist hier die Kunstsammlung, insbesondere die Gemäldegalerie, des Steiermärkischen Landesmuseums Joanneum, Graz.
  • 6. Die besondere Hervorhebung von Graz und Klagenfurt dürfte damit zusammenhängen, dass Karl Haberstock, Posses Vorgänger als Sonderbeauftragter für die Verteilung der beschlagnahmten jüdischen Kunstsammlungen in Österreich, bereits Zuteilungspläne für die Museen in Salzburg und Innsbruck sowie für die Staatsmuseen in Wien erstellt hatte (s. Schwarz (2018), S. 43-51).
  • 7. Gemeint ist hier die Gemäldesammlung für das geplante Führermuseum.
  • 8.Hitler bezog sich hier auf die Gemälde, die Posse bereits am 5. Juli 1939 ausgesucht hatte (s. Eintrag vom 05.07.1939).
  • 9. Behandlung
  • 10.Hitler gab die Prioritäten für die Bearbeitung der beschlagnahmten jüdischen Kunstwerke vor. Die von ihm aufgestellte Rangfolge entsprach seinem spezifischen Interesse an Malerei. Deswegen hatte für ihn der Aufbau einer Gemäldegalerie für das Führermuseum Priorität.