10.1940 - 21.10.1940: Paris (0049) (DKA, NL Posse, Hans, I,B-4)

10.1940 - 21.10.1940: Paris (0049) (DKA, NL Posse, Hans, I,B-4)
DKA_NLPosseHans_IB4-0049.tif

Paris

Hotel Ritz  Zimmer 96 (IV.)1

Fahrer Katsch

Kraftfahrstaffel 553 / 83762

Oberltn.3 Limbert (Adjt.4 vonOberstltn5 Speidel)

 

Vorzimmer Oberstl.6 Speidel

Frl. von Gagern

soll anrufen 5555 (Berlin) Adjtur / O.E

Thurow Oberfeldwe7, der soll

sagen Frau Haberstock, unter

gebracht Hotel Ritz.8

 

20. Okt. S. Gernain en Laye9

Louvre

 

21. Okt.Limbert: Brief

               Hbst.

Dr. Zeitschel

frühere poln.10 Botschaft

Rue St. Dominique 5511

Dr. Epting12 Inval. 6080

                    224113

Depot der sichergestellten

Sachen im Louvre.

Ein großer Teil verpackt bei

Schenker zum Abtransport Berlin14

  • 1.Posse bezog in Paris ein Zimmer im Hôtel Ritz am Place Vendôme 15. Er notierte sich die Zimmernummer; mit "IV." war vielleicht das Stockwerk gemeint.
  • 2. Es handelt sich um die Telefonnummer, die sich aus einer dreistelligen Bezirksvorwahl und einer vierstelligen Nummer des Teilnehmeranschlusses zusammensetzte.
  • 3. Oberleutnant
  • 4. Adjutant
  • 5. Oberstleutnant
  • 6. Oberstleutnant
  • 7. Oberfeldwebel
  • 8. Vermutlich war Fräulein von Gagern die Vorzimmerdame von Hans Speidel. Sie sollte wahrscheinlich einen Oberfeldwebel Thurow in Berlin anrufen, der wiederum Magdalene Haberstock über die Unterbringung im Hôtel Ritz informieren sollte.
  • 9.Saint-Germain-en-Laye, eine Stadt westlich von Paris, diente während der deutschen Besetzung Frankreichs von 1940 bis 1944 als Hauptquartier der Wehrmacht, insbesondere für den Oberbefehlshaber West (s. Boulet (2006), S. 288, 291). Am 8. November 1941 fur Posse nach Saint-Germain-en-Laye, um die Sammlung Craig anzusehen. Möglicherweise steht dieser Eintrag auch damit in Zusammenhang.
  • 10. polnische
  • 11. Im ehemaligen Gebäude der polnischen Botschaft, eigentlich 57 Rue Saint-Dominique in Paris, befand sich das im September 1940 neu gegründete Deutsche Institut, das Karl Epting leitete.
  • 12.Karl Epting vermittelte Ankäufe an deutsche Museen. Posse hatte bereits vor seinem Aufenthalt in Paris brieflichen Kontakt mit ihm gehabt und Epting gebeten, ihn auf bedeutende Stücke älterer Kunst, die in Paris zu kaufen seien, aufmerksam zu machen (s. BArch, B 323/121, Nr. 399, Posse an Epting, 13.09.1940).
  • 13. Es handelt sich um die Telefonnummer von Karl Epting. Die alten Telefonnummern in Frankreich bestanden aus einer alphanumerischen Kombination. In Paris setze sich diese aus drei Teilen zusammen: zuerst eine meist von Orts- oder Personennamen abgeleitete Buchstabenkombination für einen bestimmten Teilbereich der Stadt, dann eine dreistellige Nummernkombination für die zuständige Telefonzentrale bzw. die Bezirksvorwahl und abschließend ein in der Regel vierstelliger Nummerncode für den jeweiligen Teilnehmeranschluss. Üblicherweise wurden nur die Buchstabencodes oder die Bezirksnamen, deren erste drei Buchstaben den dazugehörigen Code ergaben, und die Teilnehmernummern notiert. Die Nummer der Zentrale ergab sich automatisch über die Eingabe der Buchstaben, denen auf der Wählscheibe des Telefons eine bestimmte Ziffer zugeordnet war. "Inval." (Buchstabencode INV) bezieht sich auf das Quartier des Invalides, die Bezirksnummer lautete 468.
  • 14. Die beschlagnahmten Kunstwerke aus jüdischem Besitz waren zunächst in Räumlichkeiten der Deutschen Botschaft untergebracht worden (s. Rayssac (2007), S. 150). Aus Raumnot wich man bald auf leer stehende Säle des Louvre und schließlich des Musée du jeu de paume aus (s. Rayssac (2007), S. 201 und 203-204). Carltheo Zeitschel und Karl Epting waren dafür zuständig gewesen, Objekte aus jüdischem Besitz, die die französischen Behörden in Loire-Schlössern verwahrt hatten, in den Louvre bringen zu lassen. Große Teile der beschlagnahmten jüdischen Kunstsammlungen wurden nach Deutschland gebracht.