17.10.1940 - 18.10.1940: München, Paris (0047) (DKA, NL Posse, Hans, I,B-4)

17.10.1940 - 18.10.1940: München, Paris (0047) (DKA, NL Posse, Hans, I,B-4)
DKA_NLPosseHans_IB4-0047.tif

München

17. Okt. 40. Bernheimer1 - Bei Dr. Hanssen - Führer-

bau (Frl. Fugger). – Buchner

(Alte Pinakothek); dort Kohl-

hausen (Nürnberg). – Mit beiden

zu mittag. – Im Hotel Tel.

mit Frl. Fugger (Heim)2; Tochter

Almas (Adressen Paris).3 – Tel.

mit zuhause.4 – Abends mit

Biermann u Frau.5

 

Freitag 18. Okt. über Frankfurt

nach Paris.6

Adressen Paris:7

Prof. Meller, Rue du General

Appert8, Tel. Passy 76969

(Besitzer)

(Menzel, Thoma, /Cranach,

Plastiken10

Fürst Paul Jurschewitz

7 Avenue Montespan11

(Tizian, van Dyck, Giorgione12

Gräfin Dorsetti (über Herrn Walther

Kunstverlag) Quatre Chemin, Rue. / ? de Marignan 1913

(Tischbein)

  • 1. Gemeint ist die ehemalige Münchner Kunsthandlung L. Bernheimer von Otto Bernheimer am Lenbachplatz 3. Nach der 'Arisierung' firmierte das Unternehmen als Münchner Kunsthandels-Gesellschaft/Kameradschaft der Künstler München e.V. Dort wurden in München und Bayern beschlagnahmte Kunstwerke aus jüdischem Besitz deponiert (s. Schleusener (2016), 73-76). Posse sah am 16. und 17. Oktober 1940 die Bestände durch und suchte fünf Gemälde für das Führermuseum aus (s. BArch, B 323/137, Nr. 35 Posse an Münchner Kunsthandels-Gesellschaft/Kameradschaft der Künstler München e.V., 11.11.1940 und Nr. 36, Münchner Kunsthandels-Gesellschaft/Kameradschaft der Künstler München e.V. an Posse, 04.11.1940 sowie BArch, B 323/103, Nr. 142, Posse an Bormann, 13.11.1940; zu den fünf Gemälden s. Seite 0044; allgemein zur Beschlagnahme jüdischen Kunstbesitzes in München und im 'Altreich' s. Schleusener (2016) und Petropoulos (1999), S. 121-129).
  • 2.Heinrich Heim war als Adjutant Martin Bormanns zuständig für die Gemäldeausstattung des Führerbaus in München (s. Pyta (2015), S. 57). Heim reiste häufig nach Paris (s. Linz-Report, S. 54, 58 und 73).
  • 3. Vermutlich empfahl Mimi tho Rahde, die Tochter von Maria Almas-Dietrich, Posse einige Pariser Kunsthändler und gab ihm deren Adressen. Diese oder eine Auswahl derer notierte sich Posse unten auf dieser sowie der folgenden Seite.
  • 4. Vermutlich telefonierte Posse mit seiner Frau Elise in Hellerau bei Dresden.
  • 5.Posse hatte als Direktor der Dresdner Gemäldegalerie bereits eine lange Verbindung zu Georg Biermann (s. Dalbajewa (2015), S. 264, Anm. 103), die er auch in seiner Funktion als Sonderbeauftragter weiterhin pflegte (s. BArch, B 323/120, Nr. 326-333, Korrespondenz Posse/Biermann, 1940-1942).
  • 6. Von Frankfurt am Main aus fuhr Posse gemeinsam mit Karl Haberstock weiter (s. DKA, NL Posse, Hans, I,B-1: Hans Posse, Diensttagebuch, Eintrag vom 18.10.1940).
  • 7. Vermutlich handelt es sich um die Adressen von Pariser Kunsthändlern, die Posse von Mimi tho Rahde erhalten hatte und sich auf dieser sowie der folgenden Seite notierte.
  • 8. Es handelt sich um die Adresse des zuvor genannten Kunsthändlers: Paris, 3 Rue du Général-Appert.
  • 9.Die alten Telefonnummern in Frankreich bestanden aus einer alphanumerischen Kombination. In Paris setze sich diese aus drei Teilen zusammen: zuerst eine meist von Orts- oder Personennamen abgeleitete Buchstabenkombination für einen bestimmten Teilbereich der Stadt, dann eine dreistellige Nummernkombination für die zuständige Telefonzentrale bzw. die Bezirksvorwahl und abschließend ein in der Regel vierstelliger Nummerncode für den jeweiligen Teilnehmeranschluss. Üblicherweise wurden nur die Buchstabencodes oder die Bezirksnamen, deren erste drei Buchstaben den dazugehörigen Code ergaben, und die Teilnehmernummern notiert. Die Nummer der Zentrale ergab sich automatisch über die Eingabe der Buchstaben, denen auf der Wählscheibe des Telefons eine bestimmte Ziffer zugeordnet war. "Passy" (Buchstabencode PAS) bezieht sich auf die 1860 nach Paris eingegliederte gleichnamige Gemeinde, das heutige 16. Pariser Arrondissement, die Bezirksnummer lautete 727.
  • 10. Gemeint sind Werke der Künstler Adolph von Menzel, Hans Thoma und Lucas Cranach sowie einige Bildhauerarbeiten, die über Simon Meller zu beziehen waren. Von den hier genannten Malern erwarb Posse jedoch bei Meller keine Kunstwerke.
  • 11. Die Kunsthandlung von Paul A. Jurschewitz befand sich in Neuilly-sur-Seine, 77 Rue Charles Laffitte. Möglicherweise handelte es sich hierbei um eine Filiale in Paris in der Avenue de Montespan.
  • 12.Posse notierte sich, dass Paul A. Jurschewitz Gemälde von Tizian, Anton van Dyck und Giorgione besaß bzw. vermitteln konnte. Ein Ankauf von Objekten dieser Künstler für das Führermuseum über Jurschewitz fand nicht statt.
  • 13. Es handelt sich um die Adresse der zuvor genannten Galerie: Paris, 19 Rue de Marignan.